Gemeinde Spraitbach

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Sakrale Kunst

Sakrale Kunst - die Ikonen der Eva Wulf

"Ich bin, also handle ich. Erst im Handeln liegt die Vollendung."
Ein Satz von Eva Wulf aus der Festschrift zur Ikonenweihe in Untergröningen mit dem Titel „Zur Ehre Gottes und seines Evangeliums“, welche der Literat Prof. Heinz Hinze für sie verfasste.

Ikonenmalerei
Ikonenmalerei
Eva Wulf
Eva Wulf

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Und so fing es an: Eva Wulf wünschte sich schon als kleines Mädchen, als sie, heimatvertrieben mit ihren Eltern und Brüdern nach Backnang kam, einmal so malen zu können wie die Zeichner der Heiligenbildchen, die ihr so gut gefielen. Tiefes Interesse und hohe Begabung wurden zwar früh geweckt und erkannt, aber die Verwirklichung ließ noch viele Jahre auf sich warten. Erst Ende der Siebziger Jahre begann sie hoffnungsvoll als Autodidaktin mit der sakralen Malerei. Dann, Anfang der Achtziger Jahre, konnte sie sich endlich immer mal wieder für ein paar Wochen in das Kloster Geras in Niederösterreich zurückziehen, um in der dortigen Klosterschule die Technik des Ikonenschreibens von Grund auf zu erlernen. Und sie hat es gelernt. Eva Wulf fing an, Ikonen zu schreiben. 

Die Ikone, als Abbild vom Urbild, die Darstellung des Wortes Gottes, welche in früheren Zeiten ausschließlich von Mönchen und ihren Schülern hinter den Klostermauern nicht gemalt, sondern bildhaft geschrieben werden durften.

Eva Wulf zog 1986 nach Spraitbach und hat somit ihre kleine Künstlerwerkstatt hier aufgeschlagen. Bald war sie in der Ikonenmalerei keine Unbekannte mehr und machte sich durch zahlreiche Ausstellungen einen Namen. Nach persönlichen Schicksalsschlägen und einem schweren Unfall, von dem sie glücklicherweise wieder gesundete, beschloss Eva Wulf als Dankeschön an ihren Herrgott eine besondere Ikone, ein außergewöhnliches „Fenster zur Ewigkeit“, wie die Ikonen auch genannt werden, zu schaffen. Sie fand in der evangelischen Kirche in Untergröningen, durch den kunstinteressierten damaligen, leider inzwischen verstorbenen Pfarrer Roland Schneider, den geeigneten Platz für ihr Werk. 

Im Mai 1993 kletterte  Eva Wulf zum ersten Mal auf das Gerüst in der Untergröninger Kirche und begann ihr Lebenswerk. Trotz immer wiederkehrender gesundheitlicher Rückschläge konnte sie sie es in drei Jahren vollenden:Eine 3,00 x 2,50 m große Ikone mit dem Titel „Segnung der vier Evangelisten“, nach einem Urbild des Klosters Berg Athos in der Größe 35 x 20 cm aus dem 11. Jahrhundert.

Die Umsetzung des Werks in diesen Dimensionen war nicht nur körperlich eine Herausforderung für die Künstlerin. Es ist die größte Ikone, die jemals geschrieben wurde, auch ist es ein Novum, eine orthodoxe Ikone in einer evangelischen Kirche betrachten zu können. Am 25. Mai 1996 wurde die Ikone in einem Festakt geweiht. Eva Wulf schaffte es durch ihr sakrales Kunstwerk, die drei großen christlichen Kirchen an jenem Pfingstsamstag zu vereinen. Eine bescheidene Absicht und ein ganz persönliches Anliegen haben die Künstlerin zu der Schöpfung dieser überdimensionalen Ikone veranlasst. Diese bewirkt aber weitaus mehr, nämlich eine außerordentliche Bereicherung des europäischen Kulturgutes. Durch diese Ikone wurde Eva Wulf weltweit bekannt.

Seit Mai 2003 hängen auch in Spraitbach in der katholischen Kirche St. Blasius zwei Ikonen von ihr: „Die Empfängnis der Heiligen Anna“ und „Die Gottesmutter mit Christus“. Beide Ikonen haben eine besondere Ausstrahlung. Im  Vergleich zu der strengen Klarheit der Untergröninger Ikone, beeindrucken sie durch Anmut und Zärtlichkeit. Mit viel Freude macht Eva Wulf persönlich viele Führungen nach Untergröningen und natürlich auch hier in Spraitbach und schafft es in ihrer persönlichen Bescheidenheit, über die sakrale Kunst Toleranz und Verständnis füreinander zu wecken. Nicht selten enden die Veranstaltungen im gemeinsamen, freundschaftlichen Zusammensein in ihrer kleinen Werkstatt.