Die Gartenarbeit ruft – sag ich ruf zurück
Und zwar im Juni! Denn im anstehenden Wonnemonat Mai gilt wieder einmal: es ist „mähfreier Mai“.
Und das aus gutem Grund. Viele Gartenbesitzer*innen unterschätzen die Wichtigkeit ihrer privaten Grünflächen und damit einhergehend ihre Möglichkeit zum Erhalt der Artenvielfalt beizutragen. In Siedlungsflächen sind private Gärten der nahezu einzige Rückzugsort und (Über-)Lebensraum von vielen Tieren. Diese Flächen gilt es daher besonders zu schätzen und zu schützen.
Wer ständig schneidet, jätet oder gar düngt hat am Ende eine „grüne Wüste“ erschaffen. Der wohl bekannteste aller Rasen, der „englische“, ist letztlich so steril, dass kein Tier mehr davon satt werden könnte. Insbesondere durch Rasenmähroboter wird es leider immer einfacher, genau solche Flächen zu schaffen. Nicht zu vergessen, dass diese Helfer wirklich gefährlich für Tiere sind, aber dazu an anderer Stelle mehr.
Die Naturschutzorganisation Plantlife aus dem Heimatland des oben genannten maximal kultivierten Rasens hat die positiven Auswirkungen des „No Mow May“ auf die Biodiversität in einer wissenschaftlichen Studie, beaufsichtigt von Botanikern, dokumentiert:
- bei bereits einem einmonatigen Mäh-Intervall (wie beim mähfreien Mai) produziert eine Wiese 10 x mehr Nektar und Pollen, sprich Insektennahrung.
Niedrigwachsende Pflanzen wie Gänseblümchen oder Weißklee können grundsätzlich gut in kürzerem Rasen zu gedeihen. Durch regelmäßiges (aber eben nicht zu häufiges) abschneiden der alten Blüten werden sie vermehrt zum Blühen stimuliert und entwickeln kräftige Stängel, der Nektargesamtertrag pro m2 steigt. - durch ein noch längeres Mäh-Intervall kann sich ökologische Vielfalt besonders gut entwickeln. In gänzlich unberührten Flächen können sich sogar langstielige und seltenere Blumen wie Acker-Witwenblume, Flockenblume oder Rotklee entfalten.
Am besten ist daher eine Kombi-Strategie:
- einige Wiesenstücke in der Vegetationsperiode für maximale Pflanzen- und damit Artenvielfalt am besten völlig unberührt lassen
- verbliebene Flächen 1x/Monat auf ~5 cm Höhe kürzen, dann können Gänseblümchen & Co. bestmöglich gedeihen
Ob Igel, Eidechse, Vögel, Schmetterlinge, Blindschleiche, Wildbienen, Grashüpfer, Amphibien; wer es zulässt bietet einer Vielzahl ganz wunderbarer Mitbewohner Nahrung und Schutz und wird durch Summen, Rascheln und Zwitschern belohnt. Und das alles mit wenig Mühe – „einfach mal stracken lassen“.
Durch die Zeitersparnis auftretende Langeweile kann selbstverständlich begegnet werden, Stichwort „Naturgarten anlegen“. Hierfür reicht dann doch nicht nur „nichts tun“, zu Beginn benötigt es ein paar Handgriffe und Veränderungen wie z.B.:
- eine Trockenmauer oder Totholzhecke setzen
- Nistkästen anbringen
- Insektenhotels, Hummelburg, Ohrwurmhaus o.ä. aufstellen
- Wildblumen aussäen
- Wasserstellen anlegen
- u.v.m.
Die Artenvielfalt schwindet in besorgniserregenden Tempo. Akkurat getrimmte Rasenflächen tragen im Kleinen zu dieser Entwicklung bei, wie Monokulturen der industriellen Landwirtschaft im Großen. Daher appellieren Naturschutzvereine wie der NABU oder der BUND an alle Gartenbesitzer*innen zu mehr Vorsicht und Rücksichtnahme, wie immer zählt jeder Beitrag. Wer mehr davon will sollte die Augen und Ohren zum Thema Biotopverbundplanung offen halten.
Auf einen entspannten Mai und viele neue Gartenbewohner!
Weitere Informationen erhalten Sie unter:
https://beegut.de/blogs/wissen/maehfreier-mai
Stabstelle Klimamanagement Gemeinde Rudersberg, Nadine Bathke, Tel. 07183/3005-73, n.bathke@rudersberg.de
Eintrag teilen
Um diesen Eintrag zu teilen, kopieren Sie den folgenden Link und versenden ihn per E-Mail, Messenger, etc.
https://www.spraitbach.de/neuigkeiten-rathaus-details/die-gartenarbeit-ruft-sag-ich-ruf-zurueck.html